Open Data – von unten nach oben

Nicht nur die Datenflut der Öffentlichkeit nimmt zu, auch meine persönlichen Daten und Dokumente vermehren sich scheinbar über Nacht. Mein digitaler Passwort-Tresor, der selbstverständlich zwischen Laptop und Smartphone synchronisiert wird, verfügt mittlerweile über 157 Einträge, und dies obwohl ich immer zweimal überlege, bevor ich irgendwo einen Account eröffne. Bekam ich früher Rechnungen per Post und legte sie nach der Zahlung in einem Ordner ab, der nach 10 Jahren ins Altpapier wanderte, bekomme ich heute solche Dokumente elektronisch und füge sie fein säuberlich in der wohldurchdachten Ordnerstruktur des Windows Explorers ein. Dieser hat inzwischen ein unglaubliches Ausmass angenommen. Das gleiche gilt für das Lesezeichenmenu meines Browsers. Es dauert schon seine Zeit, bis ich mich durch alle Hierarchieebenen bis zu  meinem Dokument respektive Link durchgehangelt habe. Glücklicherweise tragen diese Datemmengen digital im Gegensatz zum Papier nicht auf: Mein Laptop erreicht die Dicke eines Bundesordners nicht, auch wenn ich ihn noch so sehr mit Daten vollstopfe.

Ein Problem sind jedoch sensible Dokumente mit persönlichen Angaben. Konnte ich diese früher in einen Safe einschliessen, liegt heute alles in der Dropbox, damit ich auf allen meinen Computern und vom Web aus Zugriff darauf habe. Die Datenschutzprobleme von Dropbox und anderen Cloud-Speichern sind zwar hinlänglich bekannt, doch diese Dienste sind eben einfach praktisch.

Eine sichere Lösung für sensible Daten wäre sehr zu begrüssen. Doch auch in diesem Bereich werden Fortschritte erzielt.

An der Open Data Konferenz vom 28. Juni 2012 in Zürich wird die Stadt Zürich mit ihrer Initiative eZürich ihr Datenportal lancieren. Endlich, das erste Open Government Data-Portal der Schweiz! Eine andere Idee von eZürich geht den umgekehrten Weg: „Open Data“ des Bürgers, abrufbar für die Behörden.

Das Projekt nennt sich Data Purse und wird von der Universität Zürich entwickelt in Zusammenarbeit mit drei Zürcher Softwarefirmen und verschiedenen städtischen Ämtern. Im elektronischen Datensafe kann der Bürger seine digitalen Identitäten verwalten und Dokumente ablegen. Dabei stehen die Daten unter seiner vollen Kontrolle. Er entscheidet selbst, wem er sie zugänglich macht. So kann er beispielsweise dem Steueramt den Lohnausweis, Bankbelege und die übrigen Beilagen zur Steuererklärung bereitstellen, die dieses daraufhin abrufen kann. Also eben: „Open Data“ von unten nach oben.

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