Schweiz: Trotz hoher Internetdichte noch kaum OpenData

Kürzlich wurde ich auf das OpenData-Portal der World Bank aufmerksam gemacht. Daten zu einer beeindruckenden Vielzahl von Themen werden in verschiedenen Datenbanken als Excel oder CSV-Dateien zur Verfügung gestellt. Dabei reichen die Themen von Landwirtschaft, Finanzen und Gesundheit zu Wissenschaft und Sozialentwicklung. Das Datenmaterial aus allen Ländern der Welt kann auf dem Portal auch als Tabelle, auf einer Karte oder als Graphik angezeigt und so Vergleiche zwischen den Ländern visualisiert werden.

Obwohl das Portal erst vor zwei Jahren aufgeschaltet wurde, wird es intensiv genutzt. Laut dem World Bank Data Blog beantwortet das Team rund 1000 auf Daten bezogene Anfragen per E-Mail und Telefon im Monat. Mit ihrem Angebot deckt die World Bank also ein echtes Bedürfnis ab.

Beim Surfen in den verschiedenen Themen bin ich schliesslich zur Internetnutzung gelangt. Im Zusammenhang mit dem Digital Divide, den wir in verschiedenen Modulen im Lauf des Studiums der Informationswissenschaft bereits angesprochen haben, war es interessant, hier nicht unterschiedliche Gesellschaftsschichten, sondern ganze Länder zu vergleichen. 2010 lag die Schweiz mit 82,2 % auf Platz 13 von 248, Spitzenreiter Island kam auf 95,6 %, die tiefsten Werte erreichten vor allem afrikanische Länder mit weniger als 1 %.

Mit 37.2 % Anteil an Breitband-Internet-Zugang belegte die Schweiz Rang 5, während Liechtenstein mit 63,8 % diese Tabelle anführt. Zwei Länder, die in Sachen OpenData fortschrittlich sind, sind Grossbritannien (Platz 9 resp. 17) und Österreich (Rang 32 resp. 40). Also internetmässig ähnlich oder schlechter klassiert wie die Schweiz. So gesehen gibt es keinen Grund, warum die Schweiz bei OpenData so hinterherhinkt.

Die beiden Autoren dieses Blogs haben am eigenen Leib erfahren müssen, wie mühsam das Leben ohne OpenData sein kann: In unserer Lektion im Modul Informationsgesellschaft, -ethik, -polititk zum Thema OpenData haben wir mit Schweizer Zahlen für unsere Mitstudenten eine Übung gestaltet.

Mein Kollege hat die Wohnortgemeinden von Studienkollegen telefonisch um Angaben zu Bevölkerungszahlen, Anzahl Arbeitslosen und Anzahl Beitreibungen gebeten. Diese Daten wurden uns von sieben Gemeinden entweder im Mailtext, als .pdf- oder .xls-Dateien zugestellt. Das erhaltene Zahlenmaterial haben wir in .csv-Dateien konvertiert und auf Google Docs bereitgestellt. Die Studierenden konnten mithilfe dieser Dateien und dem Diagrammtool von Google selbst eine Visualisierung der Daten erstellen. Dies diente als Beispiel, was mit OpenData angefangen werden kann. Aber was für ein Unterschied der Datenbeschaffung zum obigen Beispiel mit den Internetzugängen!

Das Ganze war mehr oder weniger nur eine Spielerei. Hätten wir jedoch Zahlenmaterial für einen ernsthaften wissenschaftlichen, journalistischen oder anderen Zweck benötigt, wäre die Zeit, die wir für die Beschaffung und Aufbereitung des Materials benötigt hatten, ein starkes Argument für OpenData.

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