Fazit und Eindrücke von der Opendata.ch 2012-Konferenz in Zürich

Seit Februar 2012 habe ich mich mit dem Thema OpenData/OpenGovernmentData und daneben auch mit Datenschutz beschäftigt. In dieser Zeit habe ich manches über das Thema gelernt. Bis gestern hinterliess es jedoch einen zwiespältigen Eindruck bei mir. Der Besuch der Opendata.ch 2012-Konferenz in Zürich vom 28. Juni 2012 hat manches geklärt, das bisher eher verschwommen schien:

Bei OpenData ist nichts klar. Weder gibt es eine offizielle Definition des Begriffs, noch gibt es irgendwo eine umfassende Abhandlung dazu. Sowohl die Tagespresse wie die einschlägigen Webseiten berichten sehr punktuell über Events, Konferenzen, und Hackdays. Dabei scheinen die Events selbst wichtiger als die Resultate und Entwicklungen. (mehr …)

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Schweiz: Trotz hoher Internetdichte noch kaum OpenData

Kürzlich wurde ich auf das OpenData-Portal der World Bank aufmerksam gemacht. Daten zu einer beeindruckenden Vielzahl von Themen werden in verschiedenen Datenbanken als Excel oder CSV-Dateien zur Verfügung gestellt. Dabei reichen die Themen von Landwirtschaft, Finanzen und Gesundheit zu Wissenschaft und Sozialentwicklung. Das Datenmaterial aus allen Ländern der Welt kann auf dem Portal auch als Tabelle, auf einer Karte oder als Graphik angezeigt und so Vergleiche zwischen den Ländern visualisiert werden.

Obwohl das Portal erst vor zwei Jahren aufgeschaltet wurde, wird es intensiv genutzt. Laut dem World Bank Data Blog beantwortet das Team rund 1000 auf Daten bezogene Anfragen per E-Mail und Telefon im Monat. Mit ihrem Angebot deckt die World Bank also ein echtes Bedürfnis ab. (mehr …)

Open Data – von unten nach oben

Nicht nur die Datenflut der Öffentlichkeit nimmt zu, auch meine persönlichen Daten und Dokumente vermehren sich scheinbar über Nacht. Mein digitaler Passwort-Tresor, der selbstverständlich zwischen Laptop und Smartphone synchronisiert wird, verfügt mittlerweile über 157 Einträge, und dies obwohl ich immer zweimal überlege, bevor ich irgendwo einen Account eröffne. Bekam ich früher Rechnungen per Post und legte sie nach der Zahlung in einem Ordner ab, der nach 10 Jahren ins Altpapier wanderte, bekomme ich heute solche Dokumente elektronisch und füge sie fein säuberlich in der wohldurchdachten Ordnerstruktur des Windows Explorers ein. Dieser hat inzwischen ein unglaubliches Ausmass angenommen. Das gleiche gilt für das Lesezeichenmenu meines Browsers. Es dauert schon seine Zeit, bis ich mich durch alle Hierarchieebenen bis zu  meinem Dokument respektive Link durchgehangelt habe. Glücklicherweise tragen diese Datemmengen digital im Gegensatz zum Papier nicht auf: Mein Laptop erreicht die Dicke eines Bundesordners nicht, auch wenn ich ihn noch so sehr mit Daten vollstopfe.

Ein Problem sind jedoch sensible Dokumente mit persönlichen Angaben. Konnte ich diese früher in einen Safe einschliessen, liegt heute alles in der Dropbox, damit ich auf allen meinen Computern und vom Web aus Zugriff darauf habe. Die Datenschutzprobleme von Dropbox und anderen Cloud-Speichern sind zwar hinlänglich bekannt, doch diese Dienste sind eben einfach praktisch. (mehr …)

Data Dealer und Gesundheitsdaten

Logo "Datadealer"

Trailer zum Spiel

Beim Vorbereiten der Lektion für die Mitstudierenden zum Thema Open Data vs. Datenschutz bin ich auf das Facebookspiel Data Dealer gestossen. Ein Team aus Wien hat dieses Game entwickelt und eine Demo-Version veröffentlicht, die im Browser spielbar ist. Das Spiel will ohne erhobenen Zeigefinger für das Thema Datenschutz mit seinen Problemfeldern sensibilisieren, in dem der Spieler die Perspektive eines Datenhändlers einnimmt. Eindrücklich war für mich vor allem, dass offenbar Krankenkassen daran interessiert sind, Gesundheitsdaten von potenziellen Kunden zu erhalten, um schlechte Risiken auszuschliessen.

Eine Horrorvorstellung! Kein Wunder, dass es mir kalt den Rücken hinunter lief, als ich das erste Mal vom OpenData-Projekt CIRRNET gehört habe. Bei der näheren Beschäftigung mit dem Thema habe ich mich jedoch wieder beruhigt. (mehr …)

Aufweichung des Datenschutzes

Die Open Data-Bewegung betont in ihrem Manifest, dass es ihr nicht um Daten geht, die dem Datenschutzgesetz unterliegen oder anderweitig gesetzlich geschützt sind. Trotzdem müssen auch die Bedenken bezüglich des Datenschutzes in Erwägung gezogen werden. Die zur Verfügungstellung und Nutzung von Datenbeständen beispielsweise von geografischen oder Wetterdaten, Bevölkerungsstatistiken und anderen wird kann indirekt auch Einfluss auf die Umsetzung des Datenschutzgesetzes haben.

Ist der Mensch nicht so, dass er umso mehr fordert, je mehr er hat? Und gibt es nicht zahlreiche Beispiele wo Gesetzesübertretungen in bestimmten Bereichen zunahmen, so dass schliesslich das entsprechende Gesetz liberalisiert werden musste? Ich erinnere an Altersfreigaben für Filme mit Gewalt- und Erotikszenen, an das Konkubinats- oder das Abtreibungsverbot. (mehr …)

Der Tranquilizer in der Handtasche

Brauchen oder wollen Herr und Frau Schweizer Open Data überhaupt? Oder geht es damit gleich wie mit Behördenakten, auf die seit dem Inkrafttreten des BGÖ zugänglich sind?

Seit 1.7. 2006 ist in der Schweiz das BGÖ (Bundesgesetz über das Öffentlichkeitsprinzip der Verwaltung) in Kraft. Eingeläutet wurde damit ein eigentlicher Paradigmenwechsel, denn bis zu diesem Datum hatte der Staat die Datenhoheit und alles, was nicht ausdrücklich für die Öffentlichkeit freigegeben wurde war grundsätzlich geheim. Neu ist es genau umgekehrt: Was nicht ausdrücklich als geheim klassifiziert wird, ist öffentlich.

Eigenartigerweise hat dies jedoch nicht zu einem Ansturm auf amtliche Dokumente geführt, obwohl die Eidgenossenschaft über die Webseiten der Departemente den Zugang dokumentiert und Formulare und Wegleitungen bereitstellt. Dies ganz im Gegensatz zum Ausland, wo mit der Einführung des Öffentlichkeitsprinzips ein eigentlicher Run auf amtliche Dokumente begann, wie ein Artikel in der Berner Zeitung vom letzten Juni zeigt. (mehr …)

Stephen King, Opfer des sozialen Dilemmas

Das Thema Kosten von Open Data lässt mich noch nicht los. Jedermann, meine Person eingeschlossen, liebt es, Informationen kostenlos im WWW zu erhalten. Die Inhalte eines Buches können wir in einer Buchhandlung überprüfen, eine Musik-CD probehören, bevor wir sie erwerben. Inhalte eines Bezahldienstes im Internet verkaufen uns jedoch die Katze im Sack. Was, wenn uns die Information gar nicht so dient, wie wir uns das vorstellen? Für Informationen kann es ja kein Rückgaberecht geben. Also bleibt es dabei: am liebsten haben wir unsere benötigte Information sofort und gratis und franko. (mehr …)

Open Data: Wer bezahlt?

In der Schweiz tut sich etwas in der Open Data-Bewegung. Vor 10 Tagen fand in Bern die Gründungsversammlung des Vereins opendata.ch statt. Er hat sich laut Statuten zum Ziel gesetzt, sich in der Schweiz für den rechtmässigen offenen Zugang zu Daten und die rechtmässige freie Wiederverwendbarkeit von Daten einzusetzen. („Open Data“).

„Open Data“ bezieht sich in diesem Zusammenhang auf Behördendaten („Open Government Data“/ OGD), Daten des öffentlichen Sektors („Public Sector Information“/ PSI) und wissenschaftliche Daten („Open Science“), unter der Voraussetzung, dass die Verwendung der Daten oder der Zugang dazu nicht aus Datenschutzgründen oder wegen anderer übergeordneter Interessen eingeschränkt sind. (mehr …)