Transparenz im Informationszeitalter

Vorletzte Woche führten meine Mitbloggerin und ich in der Lehrveranstaltung „Informationsgesellschaft, -Ethik, -Politik“ der HTW Chur eine Präsentation zum Thema OpenData vs. Datenschutz durch. Zum Einstieg stellten wir unseren Mitstudenten eine mit Google Docs erstellte Visualisierung über die Anzahl Arbeitslosen, Anzahl Betreibungen und der Bevölkerungszahl ihrer Wohnorte vor. Dadurch konnten wird den mehrheitlich synchronen Verlauf zwischen den Arbeitslosen- und Betreibungsdaten aufzeigen und somit ein Beispiel aufführen, was mit Open E-Government auf einfache Weise erstellt werden könnte. Da uns die Daten nicht online, in elektronischer und maschinenlesbarer Form vorlagen, mussten wir verschiedene behördliche Ämter anfragen, ob sie uns die Daten zukommen lassen könnten. Wären uns entsprechende Open E-Government-Plattformen zur Verfügung gestanden, hätten wir einen ungleich kleineren Aufwand betreiben müssen. Diese Nicht-Offenlegung der Regierungs- und Verwaltungsdaten erstaunt insofern, als dass sich das Internet sehr gut eignet, um Informationen einfach und transparent zugänglich zu machen. Dies ermöglicht nicht zuletzt Kosteneinsparungen für die Behörden, da weniger individuelle Bürgeranfragen beantwortet werden müssen.

Wie im zuletzt geschriebenen Blogbeitrag „Die Macht von Visualisierungen“ bereits dargestellt, reicht es nicht aus, Datenbanken ins Netz zu stellen. Ein wichtiger Faktor für den Erfolg von Datenpublikationen ist neben einer attraktiven Aufbereitungsmöglichkeit auch die Verständlichkeit der Daten und der Zugang zu anderen Datenquellen, um diese miteinander in Beziehung zu setzen. Dies kann beispielsweise mit Hilfe von technischen Schnittstellen erreicht werden. In diesem Zusammenhang bin ich in einem auf NYCFacets aufgeschalteten Webfilm [ab 1:36 Min.] auf folgendes Zitat gestossen:

„Because it`s so much more than just having access to the data. It`s also about understanding each data set and how do they pleach other and to other data sources outside the catalogue.”

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NYCFacets ist eine „Smart Open Data Exchange“-Plattform für alle öffentlichkeits- relevanten Daten von New York City. Dadurch will sich der Big Apple als Digital City of the Future etablieren.

In einem ersten Schritt wurden möglichst viele Datensätze New Yorks im NYC OpenData-Portal aufbereitet. Als nächstes sollen nun weitere NYC-relevante Datensätze katalogisiert und zueinander in Beziehung gesetzt werden, sodass dereinst allen Interessierten ein umfassender Metakatolog mit den spannendsten Daten über New York zur Verfügung stehen wird. Dieser wird es dem Benutzer ermöglichen, Datenquellen einfach zu finden, zu verknüpfen und in Anwendungen einzubinden.

Die primären Zielgruppen dieses Portals sind „Entwickler, die versuchen, den NYC OpenData Katalog zu verwenden“ und „NYC OpenData Veröffentlicher“, z. B. die Stadtverwaltung. Die sekundären Zielgruppen sind „NYC OpenData Recherchierer“, z. B. Journalisten und die allgemeine Öffentlichkeit.

Im letzten Jahr wurde auf diesem Portal auch der sogenannte BigApps3.0 Contest lanciert, bei welchem Entwickler dazu aufgerufen wurden, auf Basis der NYC OpenData möglichst kreative und originelle Apps zu erstellen. Dem Wettbewerb lag also ein Open Development-Ansatz zugrunde, durch welchen die Stadtverwaltung transparenter gemacht werden sollte. Die Gewinner erhielten Preise in der Höhe von insgesamt 50`000 $. Gewonnen hat unter anderem die NYTripBuilder.com-Website. Dort kann man sich einen persönlichen Reiseplan erstellen, um in einem bestimmten Zeitfenster die interessantesten Orte New Yorks zu erkunden.

Ich glaube, dass die OpenData-Bewegung durch solche innovative Ideen und Portale noch stärker ins Bewusstsein unserer Gesellschaft dringen kann, sodass ihr dadurch der erwünschte Erfolg zuteil wird.

Bildquelle – PrintScreen des auf NYCFacets aufgeschalteten Webfilms.

Die Macht von Visualisierungen

Der Eidgenössische Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftrage möchte aus Gründen des Personenschutzes den gläsernen Menschen verhindern.  Im Gegensatz zu mancher Meinung, verfolgt auch die Open Data Bewegung nicht dieses Ziel. Vielmehr will sie diejenigen Daten frei nutzbar machen, welche im Interesse der Gesellschaft stehen. Ein wichtiger Aspekt dabei ist die Art und Weise der Aufbereitung, d. h. der Visualisierung. „Nackte Daten“ sind wenig interessant. Sobald man sie jedoch zueinander in Beziehung setzt und visualisiert, können sie an Aussagekraft gewinnen und sprechen mehr Leute an.

Im Internet gibt es heutzutage eine grosse Anzahl an brauchbaren Visualisierungstools. Zu nennen sind dabei bspw. Google fusion tables, Google spreadsheet charts, Open Heat Map, Tableau Public, Datamarket, Many Eyes, Color Brewer, batchgeo oder Chartsbin. Im Allgemeinen sind mir dabei folgende Punkte aufgefallen:

  1. Die Visualisierungssoftwares werden fast ausschliesslich in englischer Sprache angeboten.
  2. Für die angelsächsischen Länder können detailgetreuere und aussagekräftigere Kartenvisualisierungen erstellt werden als vom Rest der Welt.
  3. Es bedarf einiger Zeit, um sich mit den Programmen zurechtzufinden und diese gewinnbringend nutzen zu können.

Durch Visualisierungen können aus Daten Zusammenhänge geschaffen oder Erkenntnisse gewonnen werden, welche aus einem nicht aufbereiteten Datenpool nie herausgelesen werden könnten – dafür haben wir zu wenig Abstraktionsfähigkeit.

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              Hans Rosling, bekannter Datenvisualist, bei einer seiner Präsentationen.

Visualisierungen eröffnen aber oftmals auch grossen Interpretationsspielraum. Bei Datenzusammenführungen muss man sich deshalb fragen, ob dadurch nicht falsche oder irreführende Zusammenhänge erstellt werden. Um der Gefahr des unreflektierten Glaubens entgegenzuwirken, ist es daher unabdingbar, Visualisierungen kritisch zu hinterfragen. Schliesslich können Visualisierungen auch ganz einfach nichtssagend sein. Im Datenjournalismus werden täglich unzählige davon erstellt, wobei gemäss Aron Pilhofer, Editor of Interactive News der «New York Times», meint, dass diese nicht immer klug eingesetzt würden: „Es gibt heute eine Menge schlechter Visualisierungen – ich nenne das Datenpornografie“.

Um einige Visualisierungen im Zusammenhang mit Open Data anzuschauen, verweise ich an dieser Stelle an den Verein Opendata.ch. Dieser organisierte vor 3 Wochen die 2. Schwei­zer Make.opendata.ch-Hackdays in Zürich und Genf. Dabei erstellten die teilnehmenden Personen mittels gut­ar­ti­gen “Hacks” Anwendungen und Visua­li­sie­run­gen mit Daten des öffent­li­chen Ver­kehrs. Es wurden einige spannende Projekte realisiert, welche sich in einer Auflistung von weiteren spannenden Visualisierungen einreihen.