The cat is in the sack

Nun ist es also soweit. Google`s neue Datenschutzerklärung ist heute in Kraft getreten. In welcher Hinsicht betrifft uns das?

Die Suchmaschine von Google hat in Europa einen Marktanteil von über 90 Prozent. Darüber hinaus bietet der Internet-Gigant rund 70 zusätzliche Dienste an, welche allesamt über die Startmaske der Suchmaschine aufgerufen werden können. Der Zugriff auf die Dienste ist verlockend einfach und benötigt nur teilweise eine personalisierte Anmeldung. Eine einmalige Anmeldung verbunden mit der Preisgabe einiger persönlicher Daten und anschliessender Nutzung des Dienstes genügt denn auch bereits und Google kann sich ein erstes Bild von uns machen. Bis anhin wurde seitens Google jedoch immer beteuert, die Informationen der verschiedenen Dienste nicht zusammenzuführen. Dies hat sich nun geändert – schwarz auf weiss festgehalten in den neuesten Datenschutzbestimmungen.

Darin heisst es unter anderem: „Unter Umständen verknüpfen wir personenbezogene Daten aus einem Dienst mit Informationen und personenbezogenen Daten aus anderen Google-Diensten.“ Dadurch kann Google die personalisierte Suche und Werbeplatzierung optimieren und neue Dienste anbieten. Das birgt natürlich auch enormes Marktpotenzial und es ist kaum auszudenken, was mit all den Informationen einst gemacht werden könnte. Um dieser Sammelwut Gegensteuer zu geben, wird unter anderem ein sogenannter „Do-Not-Track“-Knopf diskutiert. Dieser soll es den Internetdienstleistern verunmöglichen bzw. verbieten, das Surfverhalten der Nutzer zu verfolgen und somit einen Beitrag zur Privatsphäre der Nutzer leisten. Das World Wide Web Consortium (W3C) hat bereits erste Entwürfe für einen sogenannten „Do-Not-Track“-Standard vorgestellt.

Wollen wir Googles Firmen-Mantra “Don`t be evil“ Glauben schenken, haben wir nichts zu befürchten. Und trotzdem, irgendwie wird man das Gefühl nicht los, der Suchmaschinen-Riese mache sich auf geschickte Art und Weise an Informationen von und über uns ran. Giovanni Trappatoni würde jetzt vielleicht aus Google`s Perspektive etwas Ähnliches sagen wie: „The cat is in the sack, but the sack is not closed.“

Während wir schon lange vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr sehen, gelingt dies Google umso mehr. Dies erinnert mich an ein Berufswahlbuch, welches ich bestimmt an die 10 Mal beim Studienberatungszentrum ausgeliehen habe. Auf dem Buchcover war eben dieses „Waldbild“, als Versinnbildlichung der Schwierigkeit, aus den zahlreichen Berufsmöglichkeiten eines Maturanden den richtigen Beruf herauszufinden. Vielleicht werden unsere Kinder irgendwann keine Studienberater wie wir sie heute kennen mehr brauchen, da Google uns diese ersetzt. Ebenfalls kostenlos. Mit sogleich dargestellten Ausbildungsstätten. Alles viel bequemer und von zu Hause aus. Und die Bewerbungsgespräche werden sich auch erübrigen, da den Personalrekrutierern unsere Stärken und Schwächen dank Google bereits bekannt sind.

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Kein Wasseranschluss für Schwarze in Ohio/USA

Firmen und Staaten sammeln immer mehr Daten ihrer Kunden bzw. ihrer Bürger. Was sich für die einen als lukratives Geschäft offenbart, verängstigt andere wegen der Preisgabe persönlicher Interessen und Verbindungen.

So sammeln aktuelle Social-Media Plattformen wie Facebook, Twitter, LinkedIn, Google + – mit insgesamt über 1`250`000`000 Mitgliedern – persönliche Daten, welche bspw. für Werbung und Meinungsforschung verwendet werden können.

Staaten tun es den Firmen gleich, indem sie ebenfalls Daten über ihre Bürger sammeln. Während in der Schweiz bereits in den späten 1980er Jahren bekannt wurde, dass Bundes- und kantonale Polizeibehörden über mehr als 700`000 Personen und Organisationen Fichen angelegt haben, stellt sich auch heutzutage die Frage, was mit den aktuellen Daten gemacht wird bzw. werden kann. Der mit diesem Thema sensibilisierte Bürger muss sich in diesem Zusammenhang die Frage stellen, wie er die preisgegebenen Daten zurückholen kann, um sie für die Gesellschaft nutzbar zu machen. Eine Möglichkeit liegt in der Idee der Open Data.  Diese Bewegung will Daten öffentlich frei verfügbar und nutzbar machen und somit ein Fundament legen, um demokratische Kontrolle zuzulassen, die Bürger verstärkt an polititschen Entscheiden partizipieren zu lassen und (die von den Behörden sowieso erhobenen) Daten zur freien Nachnutzung zur Verfügung zu stellen. Laut Wikipedia zielt die Open Data-Bewegung darauf ab, durch die Abwesenheit von Copyright, Patenten oder anderen proprietären Rechten vorteilhafte Entwicklungen auszulösen. Open Data können amtliche Daten (z. B. Verteilung von Agrarsubventionen), Daten staatlicher Stellen (z. B. Vermessungsämter), Daten aus öffentlich geförderter Forschung, Daten aus Graswurzel-Initiativen (z. B. Oben Street Map), Open Linked Data u.s.w. sein.

Es stellt sich die Frage nach den Möglichkeiten dieser neuen Transparenzmachung, der informationellen Selbstbestimmung und wo die Grenze zum Datenschutz verläuft.

Tim Berners-Lee zeigte bereits vor zwei Jahren, was sich alles mit Open Data herausfinden lässt. Beispielsweise den Zusammenhang zwischen einem Wasseranschluss im Haushalt und der Hautfarbe der Hausbewohner.

Wir wollen in diesem Blog in den nächsten Wochen auf die Möglichkeiten der Open Data-Bewegung eingehen und gleichzeitig das eng verbundene Thema des Datenschutzes miteinbeziehen.